Würziger Kräuterduft erfüllt unser Zuhause und weckt Erinnerungen an tiefenentspannte Wanderungen in traumhafter Naturkulisse, herzerwärmende Sonnenstunden und – Wandern macht ja bekanntlich sehr hungrig – exquisites Essen. Ein Rundumblick in unserer bescheidenen Luxushöhle verrät die Quelle der umherziehenden Geruchsschwaden. Schmucke Sträuße hängen von der Decke und trocknen meditativ vor sich hin. Jedes Jahr »verlängert« uns ein Kurztrip ins friaulische Italien die – für schmachtende Kräuterherzen wie die unseren besonders – langersehnte Frühlingszeit – mit der Mission im Sammelrucksack, unsere Pizza- und Pastagewürz-Vorratsgläser wieder bis zum Rand aufzufüllen. Doch mit unserer schwelgenden Einleitung wollen wir nicht nur euren Appetit stimulieren, sondern vor allem den Blick für das Heilpotenzial der mediterranen Küchenkräuter und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in der häuslichen Naturapotheke schärfen.
Alle genannten Gewürzkräuter können je nach Bedarf oder kurmäßig als Teeaufguss, in Form einer alkoholischen Tinktur oder Hydrolat, aber auch äußerlich als Kompressen und Öleinreibungen angewendet werden.
Rosmarin (Rosmarinus officinalis)
Die immergrüne Staude ist unser persönlicher Favorit im Ranking der mediterranen Sonnenkräuter. Bereits das Ernten der blau-lila blühenden Rosmarinzweige lässt uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Mit Rosmarin würzen wir nicht nur pikante Gerichte, er ist auch die edle Hauptzutat unserer heißgeliebten honigsüßen Rosmarinpralinen. Rezept findet ihr als Topping ganz unten.
Inhaltsstoffe: ätherische Öle (Cineol, Campher, Borneol), Rosmarinsäure, Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Antioxidantien
Wirkung: verdauungsfördernd, belebend, konzentrationssteigernd, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd und wärmend
Anwendungsbereiche: innerlich: Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen, Kreislauf- und Herzschwäche, Müdigkeit, Rekonvaleszenz nach Infektionen, kalte Gliedmaßen; äußerlich: Haarausfall, Kopfschuppen, rheumatische Beschwerden, Muskelverspannung
Echter Lorbeer (Laurus nobilis)
Wer schon einmal im Schatten eines blühenden Lorbeerbaums eine Wanderpause eingelegt hat, der weiß, wie gleichermaßen betörend und beruhigend die ätherischen Öle auf unser Gemüt wirken. Und wusstet ihr, dass auch die schwarzen, an Mini-Oliven erinnernden Früchte des »Siegerbaumes« in der Küche und zur Gewinnung von grünem Lorbeeröl verwendet werden können? Kulinarisches Highlight: ein Lorbeerblatt im Milchreis mitköcheln.
Inhaltsstoffe: Blatt: ätherische Öle (Eukalyptol, Eugenol), Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Harze, Schleimstoffe; Frucht: 30% fette und 1% ätherische Öle, Harze, Bitterstoffe
Wirkung: verdauungsfördernd, entzündungshemmend, antiseptisch, beruhigend, schlaffördernd
Anwendungsbereiche: Blähungen, Verdauungsbeschwerden, äußerlich (Öl) bei Muskel- und Gelenkschmerzen
Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
Dieses beliebte Küchenkraut, das unsere Getränke erfrischt und Desserts wie Käsesahne veredelt, fühlt sich auch in unseren heimischen Gärten ausgesprochen wohl. Doch ist es ein ganz besonderes Erlebnis, auf einer italienischen Wiese wild wachsende Melisse zu entdecken. Unsere Sammelsäckchen, die wir stets im Rucksack mit dabeihaben, freuen sich über solche Gelegenheiten und werden ihrem Zweck gerecht. Die Melisse ist das am sanftesten wirkende Südkraut und eignet sich daher bestens für unsere Kleinsten, z.B. bei nervöser Unruhe und Schlafstörungen.
Inhaltsstoffe: ätherische Öle (Cineol, Rosmarinsäure), Flavonoide, Vitamin C, Eisen, Zink, Mangan, Kalium
Wirkung: beruhigend, krampflösend, antiviral
Anwendungsbereiche: nervöse Unruhe, Einschlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden und Lippenherpes
Echter Thymian (Thymus vulgaris)
Der stark aromatische Echte Thymian liebt die pralle Sonne und trockene, karge Böden – Bedingungen, unter denen er besonders viele ätherische Öle bildet. Diese dienen der Pflanze als natürlicher Schutz vor intensiver Sonneneinstrahlung. Auf unseren Almen wächst mit dem Quendel (Thymus serpyllum), dem Wilden Thymian, ein naher Verwandter, der sich ebenso vielseitig verwenden lässt.
Inhaltsstoffe: ätherische Öle (Thymol, Carvacrol), Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Phenolcarbonsäuren, Triterpen
Wirkung: antibakteriell, antiviral, schleimlösend, krampflösend, entzündungshemmend, antioxidativ
Anwendungsbereiche: Atemwegsbeschwerden (Tee, Inhalationen), Verdauungsbeschwerden, Mund- und Rachenentzündungen, Hautunreinheiten
Oregano (Origanum vulgare)
Oregano ist zwar als italienische Gewürzstaude bekannt, gedeiht aber auch bei uns recht häufig an sonnenexponierten Standorten – hierzulande kennt man ihn unter den Namen Dost oder Wilder Majoran. Am aromatischsten ist der Korbblütler zur Zeit der vollen Blüte. Wir bündeln das Erntegut zu einem Strauß und hängen diesen kopfüber zum Trocknen auf, damit die wertvollen Aromastoffe erhalten bleiben. Für unsere Pizza und Pasta ist er unersetzlich und vereint südliches Flair mit der Kraft heimischer Kräuter.
Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Rosmarinsäure, Vitamin C
Wirkung: antibakteriell, antimykotisch, antioxidativ, verdauungsfördernd, krampflösend
Anwendungsbereiche: Erkältung, Verdauungsbeschwerden; äußerlich: bei Pilzbefall
Süßer Fenchel (Foeniculum vulgare)
Der Fenchel ist ein gelb blühender Doldenblütler, dessen Frucht unserem täglichen Roggenbrot – gemeinsam mit Anis und Kümmel – den typischen Geschmack verleiht und gleichzeitig die Verdauungstätigkeit ankurbelt. Wir sammeln stets so viel, dass auch noch genug für die Herstellung eines Gewürzlikörs bleibt. Wann immer uns die Sehnsucht nach Sonne und Meer packt, reicht ein Hauch des Duftes, um uns gedanklich dorthin zu tragen. Und manchmal gönnen wir uns auch ein Stamperl.
Inhaltsstoffe: ätherische Öle (Anethol, Fenchol), Flavonoide, Vit. C, Kalium, Calcium, Magnesium
Wirkung: krampflösend, verdauungsfördernd, schleimlösend, antibakteriell, beruhigend
Anwendungsbereiche: Husten, Erkältung, Koliken, Unruhe
Olivenbaum (Olea europaea)
Auch wenn der Olivenbaum als Symbol des Friedens gilt, spaltet seine Frucht die Gemüter: Entweder man liebt die Olive leidenschaftlich oder man fischt sie konsequent von der Pizza. Wilfried und ich zählen eindeutig zur ersten Gruppe. Gerade deshalb zieht es uns nicht nur im Frühjahr, sondern auch im Herbst nach Italien – die Olivenernte möchten wir nämlich auf keinen Fall verpassen. Die bitterherben Früchte aus eigener Kraft so aufzubereiten, dass sie für uns genießbar sind, ist zwar mit einigem Aufwand verbunden, doch der einzigartige Geschmack macht jede Mühe mehr als wett. Die ebenfalls bitteren, lederartigen Blätter taugen nicht für die Küche, entfalten jedoch in der Phytotherapie ihren großen Wert.
Inhaltsstoffe: Blatt: ätherische Öle (Cineol), Oleuropein (Antioxidans); Frucht: einfach ungesättigte Fettsäuren, Vit. E, Polyphenole, Eisen, Calcium, Kalium, Ballaststoffe
Wirkung: herzschützend, blutdrucksenkend, cholesterinsenkend, blutzuckerregulierend, gefäßschützend, entzündungshemmend
Anwendungsbereiche: Unterstützung bei Herzbeschwerden und zur Stabilisierung des Cholesterinspiegels, äußerlich zur Hautpflege bei Entzündungen und Pilzbefall
Wir sind sicher, ihr habt den kräutersinnlichen Kurztrip nach Italien genauso genossen wie wir und packt vielleicht schon eure Koffer, um auszuwandern. Oder ihr habt euch für die schneller umsetzbare Option entschieden und euch grad bei eurem Lieblingsitaliener eine Pizza mediterranea alla erbe e olive bestellt.
Im Sinne der kostbaren Natur: Gesegnete Mahlzeit!
Sandra & Wilfried

